Die totale Sonnenfinsternis vom 12. August 2026
104 Sekunden für die Ewigkeit
27 Jahre sind vergangen, seit ich 1999 zum ersten und bislang einzigen Mal eine totale Sonnenfinsternis erlebt hatte. Sie war etwas untypisch. Ich hatte sie durch einen dünnen Wolkenschleier in einem seltsamen grau und blau wahrgenommen.
Ich hätte nicht damit gerechnet, daß ich solch ein Ereignis nochmal in meinem Leben erfahren kann. Es sollte aber so kommen, und es war ein perfektes Erlebnis.
Die Nachricht, es gäbe eine total Eclipse im Umfeld von Zaragoza und nicht weit von Barcelona, ließ mich sofort Hotel, Flüge und Mietwagen buchen. Mich hungerte danach, diese besondere Verbindung zwischen Mensch und Universum noch einmal zu spüren.
Vermutlich hatte mich das erste Erlebnis zu einem »Eclipsomanic« gemacht.
Spanien klang vielversprechend bezüglich des Wetters, und Zaragoza und Barcelona wünschte ich mir sowieso, einmal kennenlernen.
Ich suchte anhand der Linie des Kernschattens nach einem günstig gelegenen Ort, der freie Sicht nach Nordwesten bot, und entschied mich für Monteagudo de las Vicarías, einem Örtchen nahe Soria mit einer kleinen Burg und einem Stausee, den ich für ein gutes Umfeld hielt. Die Fahrt mit dem Auto war unproblematisch. Den eigentlich so kleinen Ort hatte ich allerdings nicht für mich allein. Um den See herum waren bestimmt 200 Leute verteilt, alles Enthusiasten.
Es war 40°C heiß. Die Sonne brannte vom wolkenlosen Himmel, als ich 1 Stunde vor dem Eintritt des Mondes eintraf. Die Spezialbrille lieferte ein sensationelles Bild von der Sonne, die sich so einmal entspannt betrachten ließ. Dann berührte der Mond bei etwa 4 Uhr »el sol«. Das Schauspiel nahm seinen Lauf. Über etwa 1 Stunde ließ sich praktisch kaum erahnen, was bald passieren sollte. Selbst 1 Minute vor der totalen war es unmöglich, ohne Schutzbrille nach oben zu schauen.
Dann ging es rasant, und ich bin noch immer überwältigt. Ein letzter Tropfen gleißenden Lichts blieb noch in einem Moment der Stille erhalten. Es kühlte merklich ab. Dann war es dunkel, richtig dunkel. Wie ein Vorhang aus grau und schwarz präsentierte sich das Himmelsgewölbe und zeigte all seine Macht dem kleinen Menschen, der staunend und ohne Verständnis dieses Schauspiel sah. Hoch oben war ein Nichts. Eine kleine Kugel, die es vermochte, daß ganze Licht auf der Erde auszulöschen. Eine Kugel, die viel kleiner war als die Erde oder die Sonne, vermochte, daß alles erstarrte, Dunkelheit hereinbrach, alles dem Untergang geweiht schien. Da oben war ja nur ein ganz dünner Lichtfaden zusehen, der um den schwarzen Mond gelegt war. Ansonsten waren nur noch ein paar Sterne zu sehen.
Das alles passierte so abrupt, innerhalb weniger Sekunden.
Ich schaute auf das große Nichts, das soeben noch in vollster Kraft war. Ich würde sagen wollen, ich habe Demut gespürt, aber das wäre zu vermessen angesichts der sich offenbarenden Allmacht, mit der ich mich keineswegs auf eine vergleichende Stufe stellen könnte. Es war eine Macht, die mir zeigte, daß alle meine Gedanken und Freuden und Sorgen sowas von unbedeutend waren. Es war eine Macht, die mir zeigte, daß ich mich einfach nur glücklich schätzen sollte, dieser unvorstellbaren Kraft gewahr zu werden, die sie mir auch nur aus einer Laune heraus zu Teil werden ließ, ohne daß es eine Bedeutung für sie hätte, ohne daß es einen Nutzen für mich hätte.
Der Winzling kniet, versteht nicht, und ist erfüllt und leer zu gleich.
1 Minute und 44 Sekunden hat die Ewigkeit gedauert.
Bericht Sonnenfinsternis 1999
Karte Sonnenfinsternis 1999
Karte Sonnenfinsternis 2026
Karte Sonnenfinsternis 2027

